Wintertemperaturen stellen besondere Anforderungen an die Schalung und an die Arbeitssicherheit

Sinkt die Temperatur, steigt der Druck: Erhöhter Frischbetondruck ist eine der Besonderheiten, die es in der kalten Jahreszeit bei Schalungsarbeiten auf der Baustelle zu beachten gilt. Weitere Aspekte sind unter anderem der Schutz von Frischbeton und Schalung vor Frost, der Einsatz der geeigneten Trennmittel sowie die Rutschfestigkeit von Zugängen und Gerüsten.

Die Norm für Frischbetondruck auf lotrechte Schalungen ist in der DIN 18218 (Januar 2010) geregelt – sie bezieht sich auf eine Frischbeton-Temperatur von 15 Grad Celsius. Ist der Beton kälter, müssen die Schalungen mehr Druck aushalten. Hier gilt die Faustformel: Mit jedem Grad weniger steigt der Druck um drei Prozent.

Dieser Effekt verstärkt sich, wenn fließfähige Betone (F5 oder F6) und zusätzlich Erstarrungsverzögerer eingesetzt werden. Die Kombination dieser beiden Faktoren führt bei niedrigen Temperaturen zu Drücken, die im schlimmsten Fall Anker oder Schalung brechen lassen.

Erschwerend kommt hinzu: Das Erstarrungsverhalten des Betons auf der Baustelle ist meist eine unbekannte Größe, da das Erstarrungsende auf dem Betonlieferschein nicht vermerkt ist. Auch das liefernde Betonwerk kann zum Erstarrungsverhalten in der Regel nicht umstandslos Auskunft geben; dazu wären Laboruntersuchungen erforderlich.

Es bleibt also die Frage, wie beurteilt werden kann, ob die vorgesehenen Schalungen dem möglicherweise auftretenden Druck standhalten, da Schalungssysteme keiner Norm unterliegen. Die beste Grundlage zur Beurteilung bietet die Zertifizierung des Güteschutzverbandes Betonschalung (GSV). Hier werden klare Angaben für geprüfte Materialgüten nach einheitlichen statischen Vorgaben gemacht. Die Zertifizierung garantiert die zulässige Belastung und die damit verbundenen Durchbiegungen. Die kompletten Richtlinien sind unter www.gsv-betonschalungen.de verfügbar.

Niedrigere Temperaturen sorgen für längere Ausschalfristen

Zusätzlich zum erhöhten Druck wächst auch der Aufwand für Schalungs- und Betonierarbeiten, wenn die Temperaturen unter fünf Grad Celsius sinken. Kälte verzögert das Aushärten des Betons. Das führt dazu, dass Decken- und Wandschalungen später als sonst ausgeschalt werden können und für weitere Betonierarbeiten zur Verfügung stehen. Damit die Baustelle bei niedrigen Temperaturen nicht ins Stocken gerät, müssen also mehr Schalungen als sonst bereitliegen.

Fällt die Temperatur sogar unter minus drei Grad, sollten Schalungen eine Wärmedämmung haben. Diese lässt sich beispielsweise mit Styropor-Platten realisieren. Einbauteile sollten außerdem vorgeheizt werden. Um nicht zu stark auszukühlen, benötigen Schalung sowie Bewehrung bis zur Betonage zusätzlich eine Abdeckung. Bei Temperaturen unter minus zehn Grad hilft nur noch eine beheizte Kompletteinhausung.

Temperaturabhängig ist auch die Wahl des geeigneten Trennmittels, da die Wasseranteile in bestimmten Bio-Trennmitteln bei Minusgraden gefrieren können. Die Kennzahlen des Trennmittels geben Auskunft darüber, für welche Temperatur es geeignet ist. 

Besonders kompliziert wird es bei Sichtbeton. Hier ist die optimale Abstimmung aller Faktoren noch schwieriger. Generell gilt: Bei niedrigen Temperaturen fallen Betonflächen dunkler aus. Daher empfiehlt es sich, vorab eine Probewand zu betonieren, um das geeignete Verhältnis von Betonrezeptur, Trennmittel und Schalungshaut zu testen.

Deckenschalungen können vereisen

Kälte verändert nicht nur die Eigenschaften des Betons, sie schafft auch Risiken für die Mitarbeiter auf der Baustelle. Laufbühnen, Gerüste, Treppen und Zugänge müssen unbedingt von Eis und Schnee freigehalten werden.

Besonders anfällig für Eisbildungen sind Deckenschalungen, weil ihre Holz- oder Kunststoffschalhaut relativ dünn ist. Es kann durchaus vorkommen, dass die gesamte Deckenfläche vereist und entsprechend rutschig ist. Darum sollten Absturzsicherungen und gesicherte Zugänge nach der Arbeitsstättenverordnung (ASR A 2.1) eingerichtet werden, bevor die Deckenschalung an das nächste Gewerk, zum Beispiel die Eisenflechter, übergeben wird.

Unterm Strich: Die temperaturabhängigen Eigenschaften des Betons, vor allem Druck und Erstarrungsverhalten, erhöhen den Aufwand für Schalungsarbeiten im Winter. Hinzu kommen die Risiken durch Eis und Schnee, die erhöhte Anforderungen an die Arbeitssicherheit stellen.


Kontakt
  • Hünnebeck Deutschland GmbH

    Rehhecke 80 | 40885 Ratingen | Tel.: +49 (0)2102-937 1 | Fax: +49 (0)2102 937 37651 | info_de@huennebeck.com

Bitte wählen Sie ein Land

Channel Islands
Eesti
Føroyar (Færøerne)
Ísland
Latvija
Schweiz
Slovensko